Wie eingangs erwähnt, die das Schultergelenk das beweglichste Gelenk des Körpers überhaupt. Ein relativ großer kugeliger Oberarmkopf ruht in einer sehr kleinen, flachen Schultergelenkspfanne, der durch ein Pfannenband und die obere Bizepssehne nach vorne hin verstärkt wird. Weiterhin verstärken drei relativ starke Bänder den vorderen Anteil der Gelenkkapsel. In der Regel kommt es zu sogenannten vorderen Schultergelenksverrenkungen, selten sind hintere Schultergelenksverrenkungen. Ein häufiger Verletzungsmechanismus ist z.B. ein Sturz auf den nach aussen gedrehten und abgespreizten Arm, z.B. bei einem Sturz nach hinten. Es resultiert ein starker Schmerz. Das Schultergelenk muss in der Regel mit Kurnarkose wieder eingerenkt werden. In 5 % der Fälle tritt eine Schädigung des axillären Nervens auf, sodass die Nervenversorgung vor und nach dem Wiedereinrenken geprüft werden muss. Insbesondere sollte eine Röntgenaufnahme der Schulter erfolgen.
Das Einrenken der Schulter ist keine Laienaufgabe. Vor dem Einrenken sollte eine Verletzung des Knochens mit einer Röntgenaufnahme der verletzten Schulter abgeklärt bzw. ausgeschlossen werden. Hierzu sollte der Verletzte so schnell wie möglich in ein nahe gelegenes Krankenhaus mit orthopädischer oder unfallchirurgischer Fachabteilung gebracht werden. Die Schmerzen lassen nach einem schonenden Einrenken schnell nach. Eine zwei- bis dreiwöchige Ruhigstellung in einer Schultergelenksbandage sollte erfolgen, wobei nach neuen Erkenntnissen eine Spezialbandage in erheblicher Aussendrehstellung (30 bis 50° Aussenrotationsstellung) des Schultergelenkes erfolgen sollte. Nach sollte eine intensive Krankengymnastik durchgeführt werden. Überkopfbelastungen sollten vermieden werden, um das Risiko einer erneuten Ausrenkung so gering wie möglich zu halten.
Bei erheblicher Kraftminderung und zur Feststellung von Begleitverletzungen, wie z.B. einem Abriss des oberen Bizepssehnenankers (Slap-Läsion) oder der Diagnose eines sich einklemmenden Pfannenwandrisses, sollte eine kernspintomographische Abklärung erfolgen. Auch kommt es gehäuft, gerade bei älteren Patienten, zu einem Riss der Rotatorenmanschette. Festzuhalten bleibt, dass die Wiederholungsrate bei Ausrenkungen leider bei ca. 90 % bei jüngeren Menschen liegt. Insbesondere bei Patienten, die weit unter 40 Jahre alt sind, kommt es zu einem gehäuften Wiederausrenken der Schulter. Bei Patienten über 40 Jahren kommt es neben der Schultergelenksverrenkung zwar nicht so häufig zu einem Wiederausrenken der Schulter aber häufig zu einem begleitenden Riss der Rotatorenmanschette (Sehnenplatte der Schulter).
Da es auf dem Gebiet der Schulterchirurgie, insbesondere im Bereich der Stabilisierung der Schulter, zu erheblichen medizinischen Fortschritten durch verbesserte Instrumentarien aber auch durch neue Medizinprodukte mit Stabilisierungsankern gekommen ist, hat sich – gerade bei jüngeren Patienten – die arthroskopische Technik der Schulterstabilisierungsoperation durchgesetzt. Das Schultergelenk wird zunächst gespiegelt. Das Verletzungsmuster wird festgehalten. Häufig kommt es zu einer korbhenkelartigen Ablösung des vorderen Pfannenbandes. Der Pfannenrand wird angefrischt und das knöchern abgelöste Pfannenband wird mit auflösbaren Dübeln mit anliegenden Fäden wiederbefestigt. Weiterhin kann durch diese Methode, die häufig auch ausgelockerte und teilrupturierte Gelenkkapsel wieder an der Schultergelenkspfanne gerafft und befestigt werden. Begleitende Knorpeldefekte und Sehnenrisse können ebenfalls arthroskopisch in gleicher Sitzung behandelt werden. Operativ können auch in gleicher Sitzung die Verletzungen der langen Bizepssehne und des Bizepssehnenankers durchgeführt werden (siehe hierzu auch operative Versorgung der Rotatorenmanschette). Es erfolgt eine dreiwöchige Ruhigstellung in einer Schultergelenksbandage, die auch zur Nacht sechs bis acht Wochen nach der Operation getragen werden sollte. Es erfolgt ab der dritten Woche eine krankengymnastische Übungsbehandlung, die ab der sechsten Woche bei freiem Bewegungsumfang weiter fortgeführt wird. Sport kann der Patient in der Regel nach vier bis sechs Monaten wieder treiben. Kontaktsportarten sollten aber in der Regel erst nach fünf bis sechs Monaten aufgenommen werden.