Wirbelsäule 2017-09-05T10:50:44+00:00

Wirbelsäulenerkrankung

Wirbelsäulenerkrankungen lassen sich in folgende Kategorien einteilen:

Rückenschmerzen

„Rückenschmerzen“ haben sich in Deutschland in den letzten Jahrzehnten zu einer Volkskrankheit entwickelt, unter der ca. 11 Millionen Menschen leiden. Die Ursachen von Rückenschmerzen sind vielfältig und überwiegend auf eine muskuläre Ursache zurückzuführen. Einseitige Körperhaltungen am Arbeitsplatz, mangelnde Bewegung, Übergewicht und Stressbelastungen wirken sich negativ auf unsere Rückengesundheit aus. Neben akuten Rückenschmerzen leiden im Verlauf der letzten Jahre immer mehr Menschen unter chronischen Wirbelsäulenerkrankungen, die den Arbeitsplatz gefährden und auch die soziale Lebenssituation negativ beeinträchtigen können. Die meisten Rückenschmerzen sind im Lendenwirbelbereich lokalisiert, weniger häufig in der Hals- und nur selten in der Brustwirbelsäule.

Die vielfältigen Ursachen für Rückenschmerzen seien im Folgenden genannt:

  • Muskelverspannungen durch Bewegungsmangel
  • Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule
  • Übergewicht
  • Bandscheibenvorfall
  • Wirbelkörperbruch
  • Infektionen der Wirbelsäule , Tumor und Metastasen
  • Durchblutungsstörungen im Rückenmark

Diagnostik und Behandlung von Rückenschmerzen:

Während sich 90% akuter Rückenschmerzen innerhalb einer Woche vollständig zurückbilden („Hexenschuss“) bedarf der anhaltende und chronische Rückenschmerz einer weiteren diagnostischen Abklärung durch den Arzt. Bei den seltener auftretenden Rückenschmerzen mit Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen in den Armen oder Beinen ist eine sofortige Arztkonsultation erforderlich. Durch eine geschulte körperliche Untersuchung durch den Arzt kann in den meisten Fällen bereits eine bedrohliche Erkrankung ausgeschlossen werden.

Sollten neurologische Störungen auftreten bzw. die Rückenschmerzsymptomatik anhalten, ist eine bildgebende Diagnostik (Röntgendiagnostik, Computertomographie, Kernspintomographie) erforderlich.

Glücklicherweise ist bei der weit überwiegenden Anzahl der Rückenschmerzpatienten eine konservative Therapie ausreichend. Nur selten müssen operative Maßnahmen bei z.B. Bandscheibenvorfällen, starken Verengungen des Wirbelkanals, Auftreten von Lähmungserscheinungen oder durch die konservative Behandlung nicht beherrschbare Schmerzen erfolgen. Die konservative Behandlung umfasst zunächst eine ausreichende Schmerztherapie, um die Muskelverspannungen im Wirbelsäulenbereich zu vermindern und einer weiteren Schonhaltung vorzubeugen. Zusätzliche Behandlungsmaßnahmen umfassen physikalische Maßnahmen wie z.B. eine Wärmetherapie sowie spezielle Spritzentherapien, Krankengymnastik, Akupunktur und Osteopathie. Bei den meist nur kurzzeitig anhaltenden Rückenschmerzen treten vorbeugende Maßnahmen wie ein regelmäßiger Ausgleichssport in den Vordergrund.

Bandscheibenvorfall

Viele Patienten fürchten bei akuten Rückenschmerzen die Diagnose eines Bandscheibenvorfalles, dabei ist die Ursache akuter Rückenschmerzen nur zu einem kleinen Teil auf Bandscheibenvorfälle zurückzuführen. Zudem können die meisten Bandscheibenvorfälle ohne Operation erfolgreich behandelt werden.

Unsere Bandscheiben bestehen aus Knorpelgewebe mit einem Wassergehalt von über 80% beim jungen Menschen. Im Verlauf des Lebens verliert die Bandscheibe an Elastizität, so dass der „äußere Faserring“ der Bandscheibe ermüdet und sich der innere „weiche Kern“ der Bandscheibe außen vorwölben kann.  Kommt es zum Austritt des Knorpelgewebes aus dem inneren Kern durch den äußeren Faserring, spricht man von einem Bandscheibenvorfall. Der akute Bandscheibenvorfall kann, muss aber nicht mit Rückenschmerzen verbunden sein. Wird allerdings Nervengewebe, wie z.B.  die Nervenwurzeln des Ischiasnerven oder das Rückenmark durch die ausgetretene Gallertmasse gedrückt, können starke Schmerzen in den Armen oder Beinen („Ischias“) , aber auch Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen auftreten. Neurologische Funktionsstörungen und die selten auftretende Blasen-/Mastdarmlähmung stellen eine Operationsindikation dar.

Glücklicherweise können die meisten Bandscheibenvorfälle konservativ, d. h. ohne Operation behandelt werden. Bei den meist starken Beschwerden in der Akutphase ist zunächst eine Schmerztherapie mit Schmerzmitteln und physikalischen Maßnahmen zur Muskelentspannung erforderlich.  Bei besonders starken und anhaltenden Beschwerden können zusätzlich gezielte Spritzenbehandlungen in den Wirbelkanal bzw. in die Nähe der meist durch Druck angeschwollenen Nervenwurzel mit entzündungshemmenden Medikamenten erfolgen. Begleitend stellt die Krankengymnastik einen wichtigen Baustein zur Wiedererlangung der Mobilität, Muskelentspannung und späteren Muskelkräftigung dar. Zu den konservativen Maßnahmen zählen weiterhin die Akupunktur, Magnetfeldbehandlung und die Osteopathie. Eine adäquate Schmerztherapie stellt die zentrale Rolle in der Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen dar und wird in unserer Praxis angeboten.

Bandscheibenverschleiß/Spinalkanalstenose

Bandscheibenverschleiß

Im Laufe des Lebens verliert die Bandscheibe durch Alterungsprozesse an Wassergehalt. Dieser Prozess tritt bereits im 20. Lebensjahr auf und kann sich unter starken körperlichen Belastungen beschleunigen. Typische Symptome sind morgendliche Anlaufschmerzen und Steifigkeitsgefühl, Muskelverspannungen, aber auch Schmerzausstrahlungen in die Extremitäten und Kopfschmerzen.

Die Domäne der Bandscheibenverschleißerkrankung ist die konservative Behandlung. Neben einer ausreichenden Schmerzmitteltherapie kommen physikalische Maßnahmen in Form von milden Wärmeanwendungen sowie muskelentspannende Therapien in Frage. Um einem Bandscheibenverschleiß vorzubeugen ist ein gesunder Lebensstil mit Vermeidung von Übergewicht, einer ausgewogenen Ernährung sowie eine regelmäßige Bewegung zu empfehlen. Weiterhin ist auf eine rückenschonende Arbeitsweise mit Vermeidung von Wirbelsäulenzwangshaltungen zu achten.

Spinalkanalstenose

Bei einigen Patienten führt der Bandscheibenverschleiß durch die stärkeren Belastungen der Wirbelsegmente zu Knochenneubildungen sowohl  an den Wirbelkörpern als auch an den Zwischenwirbelgelenken. Diese können zu Verengungen der Nervenaustrittskanäle und des Wirbelkanals führen. Neben einer verschleißbedingten Wirbelkanalverengung kann auch bereits anlagebedingt (angeboren) ein enger Spinalkanal vorliegen.

Ähnlich wie bei der Therapie von Bandscheibenvorfällen kommt bei der Spinalkanalstenose überwiegend eine konservative Behandlung in Frage.  Bei anhaltend starker Schmerzsymptomatik mit zunehmender Einschränkung der belastbaren Gehstrecke oder aber Auftreten von Lähmungserscheinungen kann eine operative Entlastung des Wirbelkanals erforderlich werden. Bei der sogenannten Spinalkanalerweiterung ( „Dekompression“) werden den Wirbelkanal bzw. die Nervenaustrittskanäle einengende Verknöcherungen abgetragen und in einigen Fällen auch eine Stabilisierung der betroffenen Wirbelsegmente durchgeführt.

Die überwiegende Zahl der betroffenen Patienten können jedoch konservativ behandelt werden. Die Therapie umfasst eine ausreichende Schmerztherapie mit physikalischen Maßnahmen in Form von Wärmeanwendungen, Schmerzmittel, die Wirbelsäule entlastende Rückenorthesen, Krankengymnastik und auch gezielte Spritzentherapien im Bereich der betroffenen Wirbelsäulensegmente.

Wirbelgleiten

Beim Wirbelgleiten („Spondylolisthesis“) ist in einem Wirbelsäulensegment meist der obere Lendenwirbelkörper gegenüber dem darunter gelegenen nach vorn „verschoben“. Ein Wirbelgleiten kann sich schleichend durch Lockerungsprozesse im Bereich der Bänder eines Wirbelsäulensegmentes entwickeln, aber auch ursächlich auf eine angeborene Spaltbildung im Wirbelbogenbereich zurückzuführen sein. Bei sogenannten Rückwärtssportarten wie dem Kunstturnen können im Wachstumsalter  in seltenen Fällen Ermüdungsbrüche im Wirbelbogenbereich auftreten.

Das Wirbelgleiten kann unterschiedliche Schweregrade erreichen, wobei eine komplette Verschiebung zweier Wirbel  gegeneinander lediglich bei der angeborenen Form beobachtet wird. In den allermeisten Fällen betrifft das Wirbelgleiten die beiden unteren Lendenwirbelsäulensegmente, seltener den oberen Lendenwirbelsäulenbereich bzw. die Halswirbelsäule.

Da das Wirbelgleiten meist schleichend eintritt, treten neurologische Störungen in Form von Gefühlsstörungen oder Lähmungen meist nur bei höheren Schweregraden des Wirbelgleitens auf. In der Regel besteht ein  Belastungsschmerzen im Kreuzbereich, zum Teil mit Ausstrahlung in die Beine. Die alleinige Spaltbildung im Wirbelbogenbereich kann aber auch völlig schmerzfrei sein.

Die Behandlung des Wirbelgleitens besteht in einer Linderung der Schmerzsymptomatik, Beseitigung neurologischer Störungen und in seltenen Fällen auch in der Verhinderung eines Fortschreitens des Gleitvorgangs.

Die allermeisten Patienten mit Wirbelgleiten werden konservativ therapiert.  Die Behandlung umfasst eine stabilisierende Krankengymnastik, insbesondere zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur. In einigen Fällen werden auch Lendenwirbelsäulenorthesen zur Vermeidung einer weiteren Hohlkreuzhaltung eingesetzt. In Frage kommen weiterhin die allgemeinen Prinzipien der Rückentherapie mit adäquater Schmerzmedikation, physikalische Maßnahmen, Rückenschule und ggf. gezielte Injektionsbehandlungen im Wirbelsäulenbereich.

Bei nicht ausreichendem Behandlungserfolg unter der konservativen Therapie kommt die operative Stabilisierung des betroffenen Wirbelsäulensegmentes in Frage.

Wirbelkörperfraktur

Eine Ursache von Rückenschmerzen stellen eine oder mehrere Wirbelkörperbrüche dar. Abgesehen von unfallbedingten Wirbelkörperbrüchen ist die Osteoporose – gerade beim älteren Menschen – die Hauptursache sogenannter spontaner Wirbelkörperfrakturen. Bei der Osteoporose  kommt es zu einer Minderung der Knochenmasse mit einem erhöhten Bruchrisiko, so dass bereits durch einen leichten Sturz oder beim Anheben eines schweren Gegenstands Frakturen auftreten können.

Seltene Ursachen von Wirbelkörperbrüchen stellen Tumore oder Entzündungen im Wirbelsäulenbereich dar, die durch eine entsprechende bildgebende Diagnostik (Röntgen, Computertomographie, Kernspintomographie) ausgeschlossen werden müssen.

In der Regel sind Wirbelkörperbrüche mit starken akuten Rückenschmerzen verbunden. Osteoporotische Frakturen treten im Bereich der Wirbelsäule, bevorzugt im Übergangsbereich zwischen der Brust- und Lendenwirbelsäule LWS auf. Meist handelt es sich um sogenannte „stabile“ Wirbelkörperbrüche, die konservativ behandelt werden können, weil sich die Knochenbruchstücke nicht in den Wirbelkanal verlagern und somit keine Lähmungserscheinungen verursachen können. Um ein bei osteoporotischen Brüchen oft zu beobachtendes weiteres „Einsinken“ des Wirbelkörpers wegen der schlechten Knochenqualität vorzubeugen, wird dem Patienten für einige Wochen ein äußeres Stützkorsett angepasst. Zudem ist bei den meist sehr starken Schmerzen in der Akutphase eine ausreichende Schmerzmedikation erforderlich. Bei anhaltenden Schmerzen und zunehmender Immobilität der meist älteren Patienten oder aber Auftreten neurologischer Komplikationen kann eine operative Behandlung erforderlich werden. Hierbei kommt eine durch einen minimal-invasiven Eingriff mögliche Zementeinspritzung in den betroffenen Wirbelkörper (Kyphoplastie) in Frage, die auch in einer örtlichen Betäubung durchgeführt werden kann. Diese Methode führt in der Regel zu einer sofortigen Schmerzlinderung und Wiedererlangen der Mobilität des Patienten, ist aber bei möglichen Komplikationen (Zementaustritt aus dem Wirbelkörper, Auftreten von osteoporotischen Frakturen der Nachbarwirbel) auch kritisch zu beurteilen. Bei sogenannten instabilen Frakturen mit neurologischen Komplikationen müssen die Knochenbruchstücke aus dem Wirbelkanal entfernt und in der Regel Teilversteifungen einiger Wirbelsäulensegmente erfolgen.

Nach ausreichender Stabilisierung der Wirbelkörperfraktur ist sowohl bei konservativer als auch operativer Behandlung eine krankengymnastische Behandlung zur weiteren muskulären Stabilisierung erforderlich. Bei osteoporotischen Frakturen ist eine adäquate medikamentöse Behandlung zur Verminderung des Knochenbruchrisikos sowie Maßnahmen zur Sturzprävention erforderlich (s. Osteoporosebehandlung)

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